In Midland und Umgebung gibt es recht viel zu sehen. Sie sollten das ausnutzen. Besonders dann wenn das Wetter einmal nicht schön sein sollte und Sie auch etwas über die Geschichte unseres Landes erfahren wollen.
"Bei Sainte-Marie among the Hurons" handelt es sich um eine wieder aufgebaute Missionsstation französischer Jesuiten.
Ursprünglich lebten in dieser Gegend die Wendat, die zur Familie der Irokesen gehörten und ausgezeichnete Bauern und Händler waren. Sie nannten ihr Land Wendake. Leider gab es später Familienstreit zwischen den Wendat oder Huronen, wie sie von den Franzosen genannt wurden und den Irokesen.
Samuel de Champlain, der Gründer von Neu-Frankreich, wie Kanada damals genannt wurde, sah für eine erfolgreiche Kolonisation die Verbreitung des Christentums als notwendige Voraussetzung an. Er unterstütze daher französische Jesuiten bei der Ansiedlung in Wendake im frühen 17. Jahrhundert.
1639 wurde dann am Wye River die Missionsstation errichtet, die Sainte-Marie among the Hurons genannt wurde.
Erstaunlicherweise gelang es den Jesuiten, viele Wendat (Huronen) für den christlichen Glauben zu gewinnen.
Der Kontakt mit Quebec wurde über den Wasserweg aufrecht erhalten und durch harte Arbeit gelang es dass sich die Ansiedlung selbst versorgen konnte.
Unglücklicherweise waren die Irokesen mit dem was die Jesuiten und ihre eigenen Abkömmlinge, die Wendat oder Huronen taten, nicht einverstanden.
Aufgrund der zunehmenden Angriffe musste bereits nach etwa 10 Jahren die Station aufgegeben werden.
Sie wurde von den noch lebenden Jesuiten und ihren treuen Gefolgsleuten vor der Flucht in Brand gesetzt.
Nachdem die Überreste der zerstörten Missionsstation fast 300 Jahre überdauert hatten, begann man mit der Rekonstruktion. Das Ergebnis können Sie heute besuchen.
Bevor Sie hierherkommen, sollten Sie sich unbedingt Gutscheine für einen ermäßigten Eintritt besorgen. Sie können da einiges sparen. Diese Gutscheine sollten Sie auch in Ihrem Hotel oder dem Vermieter Ihrer Privatunterkunft erhalten.
Nebenstehende Karte bekommen Sie beim Eintritt nebst einigen anderen Informationen.
Bevor Sie das Freigelände betreten, sollten Sie sich auf jeden Fall den Film ansehen, der im Preis mit eingeschlossen ist. Er enthält gute Informationen und ist leicht verständlich. Am Ende erleben Sie dann noch eine kleine Überraschung.
Vielen Dank an Anne MacDougall und Calligraph Design Advertsing
Der Haupteingang
An dem Nachmittag an dem wir diesen historischen Platz besuchten hat es endlich den lang ersehnten Regen gegeben. Wir hatten, verglichen mit Europa, einen recht unterschiedlichen Sommer.
Es ist mir leider nicht immer gelungen die Kameralinse trocken zu halten. Ich entschuldige mich daher für die Flecken in einigen Bildern.
Oben sehen Sie den mächtige Haupteingang zu der Missionsstation.
Kanada war zu dieser Zeit noch recht dünn von Europäern besiedelt. So ist es erstaunlich dass über 60 Franzosen hier lebten.
Ich lernte, dass dies die erste europäische Siedlung im heutigen Ontario war. Eine Tatsache, die offensichtlich auch vielen "englischen" Kanadiern unbekannt ist.
Wir entdeckten immer neue Dinge. Eine Schmiede, ein Haus in dem für alle hier lebenden gekocht wurde, Räume in denen Kräuter getrocknet wurden, Studienzimmer, zwei "Long Hauses", in denen die besuchenden Indianer übernachteten. Eines war für die bereits Bekehrten vorgesehen, während in dem anderen die noch Ungläubigen übernachten mussten.
Wir sahen auch Kräutergärten. Sicherlich taten diese gute Dienste bei der Pflege der Kranken für die man sogar ein eigenes Hospital gebaut hatte.
Für die Verstorbenen war innerhalb der Befestigung ein kleiner Friedhof angelegt worden.
Die Häuser waren alle solid, aber einfach gebaut. Alle Böden waren blanke Erde.
Großer Wert wurde offensichtlich darauf gelegt, die innerhalb der Ansiedlung lebenden Menschen und Tiere, mit Wasser zu versorgen.
Ich war wirklich beeindruckt, wie man es geschafft hatte, fern jeglicher Zivilisation, mit einfachsten Mitteln in kurzer Zeit all das zu errichten und dabei noch Zeit fand die Ureinwohner zum christlichen Glauben zu bekehren.
Die Kirche war auch sehr einfach gehalten und zeigte nichts von dem Pomp, den man von Europa her gewöhnt ist.
Hier wurde echte Missionsarbeit unter vielen Entbehrungen und Gefahren geleistet.
Es ist recht erfreulich, dass man diese historische Stätte nicht nur als Touristenattraktion wieder aufgebaut hat.
Es werden für Kinder und Studenten zahlreiche interessante Programme angeboten, die sich mit der Kultur der Ureinwohner und besonders den Beziehungen zwischen diesen und den europäischen Einwanderern beschäftigt.
Bitte planen Sie ausreichend Zeit für einen Besuch dieser Sehenswürdigkeit ein. Kommen sie nicht kurz bevor geschlossen wird.
Sie finden hier auch ein Restaurant und natürlich auch einen Geschenkeladen. Die Erlöse daraus werden zur Finanzierung verschiedener Aktivitäten auf dem Gelände verwendet. Sie tun also ein gutes Werk, wenn Sie hier etwas kaufen.
Sehen Sie sich die Angebote zumindest einmal an. Es lohnt sich. Haben Sie schon einmal indianisch gekocht? Vielleicht wollen Sie das einmal probieren? Hier gibt es die Kochbücher dazu. Allerdings nicht in deutscher Sprache.
Die Palisaden stellten sicherlich einen relativ wirksamen Schutz gegen Wind, Schneewehen, wilde Tiere, aber auch gegen angreifende Feinde dar. Ich konnte nicht erfahren, ob die Jesuiten sich selbst bei der Verteidigung der Siedlung beteiligten. Alles sah aber recht wehrhaft aus.
Leider hat all das nichts genutzt. Die Siedlung musste aufgegeben werden.
Im Gedenken an die europäischen und eingeborenen Märtyrer, die oft eines grausamen Todes starben, wurde in unmittelbarer Nähe die weltbekannte Kirche, "Martyr"s Shrine", gebaut. Dieses eindrucksvolle Wahrzeichen ist sogar vom Papst besucht worden.
Bitte sehen Sie unsere entsprechende Webseite an.
Ausführliche und ergänzende Informationen über "Sainte-Marie among the Hurons" in englischer Sprache finden Sie hier. Wir konnten uns leider keiner geführten Tour anschließen. Normalerweise bevorzugen wir das.
In den meisten Gebäuden hielten sich aber kostümierte Berater auf, die bereitwillig alle Fragen beantworteten. Es wurden auch verschiedene Handwerkskünste demonstriert.
Das Gelände ist überraschend groß und es empfiehlt sich, immer den Plan zu benutzen, damit man nichts vergisst.
Man kann hier Besucher aus aller Welt treffen. Einen besonderen Gefallen schienen die Kinder an dieser für sie ungewöhnlichen Umgebung zu finden. Alle verhielten sich wohl diszipliniert, was nicht immer überall der Fall ist.
Sehen Sie sich unser Video an: Impressionen vom nördlichen Ontario. Impressions of the near northern part of Ontario.